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Catalogue en ligne

Œuvres choisies & art de la Suisse orientale
Ferdinand Hodler - Jenenser Student. Auszug der Deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813, Einzelfigur Ferdinand Hodler - Jenenser Student. Auszug der Deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813, Einzelfigur
Ferdinand Hodler - Jenenser Student. Auszug der Deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813, Einzelfigur Ferdinand Hodler - Jenenser Student. Auszug der Deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813, Einzelfigur
Ferdinand Hodler - Jenenser Student. Auszug der Deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813, Einzelfigur Ferdinand Hodler - Jenenser Student. Auszug der Deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813, Einzelfigur
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Ferdinand Hodler - Jenenser Student. Auszug der Deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813, Einzelfigur
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Provenance

Privatbesitz (1909)
Galerie Moos, Genf
Privatbesitz, Schweiz (1936 bei obiger Galerie erworben, seither im Familienbesitz durch Erbschaft)

Littérature

Hans Trog, Aus dem Künstlerhaus I, in: Neue Zürcher Zeitung, 24.10.1909, Nr. 295, Zweites Blatt, S. 1 (als Studie zum Jena-Wandbild).
Hans A. Loosli, Ferdinand Hodler. Leben und Werk, Bd. 4, Bern, 1924, S. 93, Nr. 1000 (als Jena, Studie zum Offizier rechts im Vordergrund, 1908).
Ewald Bender und Werner Y. Müller, Die Kunst Ferdinand Hodlers. Gesamtdarstellung in zwei Bänden, Reife und Spätwerk 1895–1918, Bd. 2, Zürich, Rascher Verlag, 1923/1941, S. 168, Nr. 128, mit Abb.
Werner Y. Müller, Ferdinand Hodler, 6 Werke, Mappe, Zürich, 1931.
Walter Hugelshofer, Ferdinand Hodler, Zürich, 1951, S. 78-79, Farbtafel XIII.
Peter Vignau-Wilberg, Ferdinand Hodler. Jenenser Student 1908, in: Museum der Stadt Solothurn, Gemälde und Skulpturen, 1973, S. 169-70 (erwähnt als Jenenser Student).
Ute Schuffenhauer, Ferdinand Hodler. Der Auszug der Jenenser Studenten 1813. 1907-1909, in: Bildende Kunst, Heft 7, 1984, S. 307-10, Nr. 10, mit Abb.
Anna Bálint, Auszug deutscher Studenten in den Freiheitskrieg von 1813 (1908-1909). Ferdinand Hodlers Jenaer Historiengemälde. Auftragsgeschichte, Werkgenese, Nachleben, Frankfurt a. Main/Bern, P. Lang, 1999, S. 158–60 und S. 332, Nr. 202 (Figur Nr. 6).
Oskar Bätschmann und Paul Müller, Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, Bd. III, Die Figurenbilder, Teilbd. II, Zürich, Scheidegger & Spiess, 2017, S. 373, Nr. 1388, mit Abb.

Exposition

Künstlerhaus. III. Serie 1909, Künstlerhaus, Zürich, 4.3.–28.3.1909 (als Serie, Studie).
Hodler–Gedächtnis–Ausstellung, Bern, Kunstmuseum, 20.8.–23.10.1921, S. 32, Nr. 387 (als Studie zu Jena).
Hodler als Historienmaler. Im Rahmen der Juni–Festwochen 1951 und der 600-Jahr-Feier des Eintrittes von Zürich in den Bund, Zürich, Helmhaus, 9.6.–8.7.1951, S. 13, Nr. 35 (als Schreitender Offizier, Blick geradeaus, 1908).

Das Gemälde wurde vom Rascher-Verlag um 1914/18 als Postkarte verlegt.

1806 schlug Napoleon bei Jena die preussische und die russische Armee, zwang den deutschen Kaiser zur Abdankung und der preussische Staat verlor seine Souveränität. 1813 bildeten sich Freicorps mit dem Ziel die Franzosen aus Deutschland zu vertreiben. An vorderster Front dabei waren Studenten aus Jena. 1907 gab die Gesellschaft der Kunstfreunde von Jena und Weimar den Auftrag zu einem Wandgemälde mit diesem Thema für die Eingangshalle der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und Hodler schuf dafür eines seiner Hauptwerke. Seit 1950 hängt das monumentale Gemälde in der Aula der Universität. Der freiwillige Auszug von Studenten und anderen jungen Männern konnte als Symbol für Opferbereitschaft, Gemeinschaft und patriotische Gesinnung interpretiert werden.

Dass dieser Auftrag an Ferdinand Hodler ging, zeigt seine damals schon grosse internationale Berühmtheit wie auch Anerkennung, welche er für die monumentalen Wandbilder im Landesmuseum zu Teil wurde.

Der Titel des Gemäldes enthalt bereits eine zentrale politische Botschaft: Die Studenten ziehen in den «Freiheitskrieg». Eberhard Grisebach gegenüber betonte Hodler denn auch, er wolle die grosse Freiheitsbewegung jene Zeit darstellen. Freiheit wird zunächst als individuelles und nationales Ideal verstanden. Gleichzeitig verlangt der Krieg die Bereitschaft, das eigene Individuum einer Gemeinschaft unterzuordnen.

Diese Ambivalenz setzt Hodler in der Komposition radikal um. Im unteren Bildbereich sind die Studenten noch als einzelne Personen erkennbar. Ihre Körperhaltungen unterscheiden sich voneinander, und ihre Bewegungen befinden sich in unterschiedlichen Stadien. Weiter oben wird die Gruppe homogener. Die einzelnen Figuren verschmelzen zunehmend zu einer kollektiven Bewegung.

Das Gemälde kann daher als visuelle Darstellung eines Prozesses gelesen werden: Aus Individuen wird eine Gemeinschaft. Der einzelne Student gibt einen Teil seiner Individualität auf und gewinnt dafür die Zugehörigkeit zu einem grösseren Ganzen. Diese Struktur entspricht ganz Hodlers Theorie des Parallelismus. Die Figuren sind nicht naturalistisch in einer zufälligen Bewegungssituation dargestellt. Stattdessen erscheinen ihre Bewegungen rhythmisiert und aufeinander bezogen. Wiederholung wird damit zum ästhetischen Mittel, um Gemeinschaft auszudrücken.

Hodler selbst verstand den Parallelismus nicht lediglich als formale Wiederholung. Mit der äusseren Wiederholung verband er auch einen «geistigen Parallelismus»: Die formale Ordnung sollte eine geistige oder emotionale Einheit sichtbar machen. Das bedeutet für das Jenaer Bild, dass die Gleichförmigkeit der Studenten nicht bloss dekorativ ist. Sie steht sinngemäss für die gemeinsame Idee, die hinter dem Aufbruch steht

Es sind zwei Figuren, die das monumentale Werk bestimmen, neben dem sich anziehenden Jüngling, ist es vor allem unser ausschreitender Student, der das Bild dominiert. Unser Gemälde ist weit davon entfernt eine Studie für das Wandgemälde zu sein, sondern ist als eigenständiges Werk konzipiert und wurde im Zürcher Kunsthaus anlässlich der Präsentation des grossen Jena-Bildes 1909 auch als solches vorgestellt. Die Figur ist denn fein ausgeführt und ausgearbeitet. Wie auch im grossen Wandbild, gelingt es dem Künstler eine unglaubliche Spannung zu erzeugen, zum einen offensichtlich durch die Haltung des Studenten zum anderen durch den Gegensatz zwischen Intensität der Figur und monumentaler Leere des Hintergrunds und den starken Farbkontrasten. Hodler schafft es mit diesem Werk, Elan und Enthusiasmus zu vermitteln und den Betrachter mitzureissen.

Das Gemälde ist nicht nur kunsthistorisch von hoher Bedeutung, es stellt innerhalb von Hodlers Werk auch eine grosse Seltenheit dar: während Hodler fast achtzig Varianten von Schwörenden gemalt hat, gibt es vom Jenenser Studenten neben unserem Gemälde nur das weniger ausgeführte Pendent aus der Sammlung Josef Müller, das sich heute im Kunstmuseum Solothurn befindet.
Catalogue en ligne Œuvres choisies & art de la Suisse orientale Lot 104 Ferdinand Hodler 1853–1918

Jenenser Student. Auszug der Deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813, Einzelfigur, 1908
Öl auf Leinwand
unten links datiert und signiert 1908. F. Hodler
83,2 x 61,5 cm

Estimation

CHF 300'000 – 400'000

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Provenance

Privatbesitz (1909)
Galerie Moos, Genf
Privatbesitz, Schweiz (1936 bei obiger Galerie erworben, seither im Familienbesitz durch Erbschaft)

Littérature

Hans Trog, Aus dem Künstlerhaus I, in: Neue Zürcher Zeitung, 24.10.1909, Nr. 295, Zweites Blatt, S. 1 (als Studie zum Jena-Wandbild).
Hans A. Loosli, Ferdinand Hodler. Leben und Werk, Bd. 4, Bern, 1924, S. 93, Nr. 1000 (als Jena, Studie zum Offizier rechts im Vordergrund, 1908).
Ewald Bender und Werner Y. Müller, Die Kunst Ferdinand Hodlers. Gesamtdarstellung in zwei Bänden, Reife und Spätwerk 1895–1918, Bd. 2, Zürich, Rascher Verlag, 1923/1941, S. 168, Nr. 128, mit Abb.
Werner Y. Müller, Ferdinand Hodler, 6 Werke, Mappe, Zürich, 1931.
Walter Hugelshofer, Ferdinand Hodler, Zürich, 1951, S. 78-79, Farbtafel XIII.
Peter Vignau-Wilberg, Ferdinand Hodler. Jenenser Student 1908, in: Museum der Stadt Solothurn, Gemälde und Skulpturen, 1973, S. 169-70 (erwähnt als Jenenser Student).
Ute Schuffenhauer, Ferdinand Hodler. Der Auszug der Jenenser Studenten 1813. 1907-1909, in: Bildende Kunst, Heft 7, 1984, S. 307-10, Nr. 10, mit Abb.
Anna Bálint, Auszug deutscher Studenten in den Freiheitskrieg von 1813 (1908-1909). Ferdinand Hodlers Jenaer Historiengemälde. Auftragsgeschichte, Werkgenese, Nachleben, Frankfurt a. Main/Bern, P. Lang, 1999, S. 158–60 und S. 332, Nr. 202 (Figur Nr. 6).
Oskar Bätschmann und Paul Müller, Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, Bd. III, Die Figurenbilder, Teilbd. II, Zürich, Scheidegger & Spiess, 2017, S. 373, Nr. 1388, mit Abb.

Exposition

Künstlerhaus. III. Serie 1909, Künstlerhaus, Zürich, 4.3.–28.3.1909 (als Serie, Studie).
Hodler–Gedächtnis–Ausstellung, Bern, Kunstmuseum, 20.8.–23.10.1921, S. 32, Nr. 387 (als Studie zu Jena).
Hodler als Historienmaler. Im Rahmen der Juni–Festwochen 1951 und der 600-Jahr-Feier des Eintrittes von Zürich in den Bund, Zürich, Helmhaus, 9.6.–8.7.1951, S. 13, Nr. 35 (als Schreitender Offizier, Blick geradeaus, 1908).

Das Gemälde wurde vom Rascher-Verlag um 1914/18 als Postkarte verlegt.

1806 schlug Napoleon bei Jena die preussische und die russische Armee, zwang den deutschen Kaiser zur Abdankung und der preussische Staat verlor seine Souveränität. 1813 bildeten sich Freicorps mit dem Ziel die Franzosen aus Deutschland zu vertreiben. An vorderster Front dabei waren Studenten aus Jena. 1907 gab die Gesellschaft der Kunstfreunde von Jena und Weimar den Auftrag zu einem Wandgemälde mit diesem Thema für die Eingangshalle der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und Hodler schuf dafür eines seiner Hauptwerke. Seit 1950 hängt das monumentale Gemälde in der Aula der Universität. Der freiwillige Auszug von Studenten und anderen jungen Männern konnte als Symbol für Opferbereitschaft, Gemeinschaft und patriotische Gesinnung interpretiert werden.

Dass dieser Auftrag an Ferdinand Hodler ging, zeigt seine damals schon grosse internationale Berühmtheit wie auch Anerkennung, welche er für die monumentalen Wandbilder im Landesmuseum zu Teil wurde.

Der Titel des Gemäldes enthalt bereits eine zentrale politische Botschaft: Die Studenten ziehen in den «Freiheitskrieg». Eberhard Grisebach gegenüber betonte Hodler denn auch, er wolle die grosse Freiheitsbewegung jene Zeit darstellen. Freiheit wird zunächst als individuelles und nationales Ideal verstanden. Gleichzeitig verlangt der Krieg die Bereitschaft, das eigene Individuum einer Gemeinschaft unterzuordnen.

Diese Ambivalenz setzt Hodler in der Komposition radikal um. Im unteren Bildbereich sind die Studenten noch als einzelne Personen erkennbar. Ihre Körperhaltungen unterscheiden sich voneinander, und ihre Bewegungen befinden sich in unterschiedlichen Stadien. Weiter oben wird die Gruppe homogener. Die einzelnen Figuren verschmelzen zunehmend zu einer kollektiven Bewegung.

Das Gemälde kann daher als visuelle Darstellung eines Prozesses gelesen werden: Aus Individuen wird eine Gemeinschaft. Der einzelne Student gibt einen Teil seiner Individualität auf und gewinnt dafür die Zugehörigkeit zu einem grösseren Ganzen. Diese Struktur entspricht ganz Hodlers Theorie des Parallelismus. Die Figuren sind nicht naturalistisch in einer zufälligen Bewegungssituation dargestellt. Stattdessen erscheinen ihre Bewegungen rhythmisiert und aufeinander bezogen. Wiederholung wird damit zum ästhetischen Mittel, um Gemeinschaft auszudrücken.

Hodler selbst verstand den Parallelismus nicht lediglich als formale Wiederholung. Mit der äusseren Wiederholung verband er auch einen «geistigen Parallelismus»: Die formale Ordnung sollte eine geistige oder emotionale Einheit sichtbar machen. Das bedeutet für das Jenaer Bild, dass die Gleichförmigkeit der Studenten nicht bloss dekorativ ist. Sie steht sinngemäss für die gemeinsame Idee, die hinter dem Aufbruch steht

Es sind zwei Figuren, die das monumentale Werk bestimmen, neben dem sich anziehenden Jüngling, ist es vor allem unser ausschreitender Student, der das Bild dominiert. Unser Gemälde ist weit davon entfernt eine Studie für das Wandgemälde zu sein, sondern ist als eigenständiges Werk konzipiert und wurde im Zürcher Kunsthaus anlässlich der Präsentation des grossen Jena-Bildes 1909 auch als solches vorgestellt. Die Figur ist denn fein ausgeführt und ausgearbeitet. Wie auch im grossen Wandbild, gelingt es dem Künstler eine unglaubliche Spannung zu erzeugen, zum einen offensichtlich durch die Haltung des Studenten zum anderen durch den Gegensatz zwischen Intensität der Figur und monumentaler Leere des Hintergrunds und den starken Farbkontrasten. Hodler schafft es mit diesem Werk, Elan und Enthusiasmus zu vermitteln und den Betrachter mitzureissen.

Das Gemälde ist nicht nur kunsthistorisch von hoher Bedeutung, es stellt innerhalb von Hodlers Werk auch eine grosse Seltenheit dar: während Hodler fast achtzig Varianten von Schwörenden gemalt hat, gibt es vom Jenenser Studenten neben unserem Gemälde nur das weniger ausgeführte Pendent aus der Sammlung Josef Müller, das sich heute im Kunstmuseum Solothurn befindet.

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